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Geothermie-Sprechstunde
Projekt Bernried
Fünftes Regionalforum Geothermie
Donnerstag, 17. Juni 2010Umweltschutz im Fokus
Zum nun schon fünften Mal trafen sich Vertreter von Gemeinden, Verbänden und verschiedener Interessengruppen aus dem Raum Bernried zum Bernrieder „Regionalforum Geothermie". Auf Einladung von Bürgermeister Josef Steigenberger werden regelmäßig Themen rund um das geplante Geothermie-Heizkraftwerk erörtert. Im Mittelpunkt des Juni-Termins standen die Ergebnisse der fast abgeschlossenen Umweltverträglichkeitsstudie.
Die Umweltverträglichkeitsstudie ist ein zentrales umweltpolitisches Instrument, das als gesetzlich vorgeschriebenes Prüfungsverfahren wesentlicher Bestandteil des Genehmigungsprozesses ist. Die Umweltverträglichkeitsstudie ermittelt und bewertet Auswirkungen eines geplanten Projektes auf die Umwelt. Diese Bewertung reicht von „ökologisch unbedenklich" bis zur Empfehlung, das Projekt zu stoppen. Basis der Umweltverträglichkeitsstudie ist die Dokumentation der ökologischen Ausgangssituation. Anschließend ermittelt und bewertet der Gutachter die Auswirkungen des geplanten Bauprojektes auf Menschen, Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft sowie Kultur- und Sachgüter. Außerdem enthält die Umweltverträglichkeitsstudie Vorschläge zu Maßnahmen, die helfen, die ermittelten Auswirkungen zu vermeiden bzw. zu mindern und auszugleichen.
Landschaftsarchitekt Joseph Wurm erläuterte die umfangreichen Untersuchungen, die er mit seinem Team seit Mitte 2009 rings um Bernried vornimmt: Jedes Areal wird mehrfach untersucht, um auch die nur zu bestimmten Zeiten auftretenden Tierarten (z.B. Frühlaicher, Zugvögel, Tagfalter) und die Pflanzen mit verschiedenen Vegetationsperioden zuverlässig zu erfassen. Nach geschützten und gefährdeten Tierarten wird besonders sorgfältig Ausschau gehalten. Anhand zahlreicher Karten zeigte Wurm für die verschiedenen alternativen Anlagenstandorte, welche ökologische Bedeutung die einzelnen Flächen haben, mit welcher Geräuschausbreitung zu rechnen wäre, und wo eine Anlage in die Hügellandschaft eingebettet werden könnte. Ziel der Studie ist es, anhand der Kombination aller relevanten Parameter (Lärmschutz, Flora, Fauna, Klima, Landschaftsbild, Geologie, Erschließung usw.) einen Standort zu definieren, an dem ein Kraftwerksbau technisch möglich und sinnvoll ist und keine nachhaltigen Schäden im Ökosystem hinterlässt. Inzwischen kristallisiert sich heraus, dass der geplante Bohrplatz „Höhenried West" (an der Bahnlinie Tutzing-Bernried) der auch in ökologischer Hinsicht am besten geeignetste Standort wäre, da der Anlagenbau und -betrieb hier voraussichtlich nicht mit relevanten Auswirkungen für die ökologischen Systeme verbunden wäre.
Der Bundestagsabgeordnete Klaus Breil (Energiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion) unterstrich die energiepolitische Bedeutung des Bernrieder Geothermie-Projektes. Er berichtete von eigenen Besichtigungen von Geothermie-Kraftwerken und relativierte Befürchtungen, es könnte eine große Lärmentwicklung geben. Die häufig zum Vergleich herangezogene Anlage in Landau sei mit nur wenig Lärmschutz ausgestattet und die besonders günstige Hügellandschaft um Bernried böte bereits viel natürlichen Lärmschutz. In Verbindung mit den technischen Möglichkeiten könnten die Betreiber die Schallausbreitung auf ein Minimum reduzieren.
Hauptthema der anschließenden Diskussion war neben Naturschutzfragen die Einschätzung der Nachhaltigkeit des Vorhabens. Lutz K. Stahl, Geschäftsführer der BE Geothermal, berichtete über Simulationen, die eine Abkühlung des Thermalwassers von weniger als 1°C in etwa hundert Jahren erwarten ließen. Bei einer erwarteten Temperatur von etwa 150°C sei diese Verringerung völlig unerheblich sowohl für die Fernwärmenutzung als auch für die Stromerzeugung, so dass mit einer Nutzungsdauer des unterirdischen Heißwasser-Reservoirs von weit über 100 Jahren zu rechnen sei. Lutz K. Stahl: „Weder ich noch meine Kinder werden es erleben, dass diese Anlage zurückgebaut werden muss".

