Aktuelle Termine

Projekt Bernried

Bürger-Informationsveranstaltung in Bernried

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Freitag, 25. Juni 2010

Experten beantworteten Bürger-Fragen

Das Erdwärme-Projekt in Bernried macht Fortschritte. Um die Bernrieder Bürger über den aktuellen Stand des Projektes zu informieren und aus erster Hand mit Informationen zu versorgen, hatten die Gemeinde Bernried und BE Geothermal Ende Juni zu einer Informationsveranstaltung im Hotel Seeblick eingeladen. Rund 200 Interessierte waren gekommen, um sich zu informieren und Fragen zu stellen.

Zum Einstieg erläuterte Bürgermeister Josef Steigenberger, warum der Gemeinde so viel am Gelingen dieses Projektes gelegen sei: Es sei „fünf vor zwölf", zu den begrenzt verfügbaren fossilen Energieträgern Alternativen zu finden, die den CO2-Ausstoß reduzieren, langfristig und zuverlässig nutzbar und preisstabil sind. Bernried habe das Privileg, dass hier die Erdwärme genutzt werden könne - eine Energiequelle, die bereits in neun anderen bayerischen Gemeinden erfolgreich genutzt wird. Steigenberger erklärte auch, dass der Gemeinde kein finanzielles Risiko entstehe, da die Bohrung und der Kraftwerksbau von BE Geothermal finanziert würde und die Gemeinde risikofrei nur das Fernwärmenetz bauen müsse und so von ihrem eigenen Bodenschaft profitieren könne - wenn sich genügend Anschlusswillige finden.

Lutz K. Stahl, Geschäftsführer der BE Geothermal, informierte über den aktuellen Stand des Projektes. Das Projekt befinde sich derzeit in der sogenannten Genehmigungsphase: Hierin werden viele Untersuchungen vorangetrieben, die für den Genehmigungsantrag erforderlich sind. Eine Seismikkampagne hat Daten für ein dreidimensionales Modell des Untergrundes von Bernried geliefert, anhand dessen der Bohrplatz festgelegt wurde. Gutachter untersuchen derzeit mit einer umfangreichen Umweltverträglichkeitsstudie und einem Schallgutachten die Auswirkungen, die das Projekt auf die verschiedenen ökologischen Systeme (Menschen, Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser, Luft, Klima etc.) haben wird und wie man diese weiter verringern könnte. Schon jetzt steht fest, dass am benachbarten Spazierweg von der Anlage nur noch ein Kühlschrankbrummen hörbar sein wird.

Stephanie Heinzeller vom Bayerischen Rundfunk befragte Harald Gaßner, den Präsidenten des Bundesverbandes Geothermie, wie ein solches Genehmigungsverfahren funktioniert: Erst wenn alle Gutachten vorliegen, entscheiden Bergamt und Landratsamt, ob und wie gebohrt bzw. gebaut werden darf. Das Bergamt kontrolliert während der gesamten Bohrphase sehr genau, dass alle Auflagen und Regeln eingehalten werden. Gaßner erklärte auch, warum das Projekt als „privilegiertes Bauvorhaben" eingestuft ist: Normalerweise darf außerhalb von Bebauungsplänen nicht gebaut werden - es sei denn, es handelt sich um Vorhaben, die beispielsweise der Energieversorgung oder der Abwasserentsorgung dienen und im Rahmen des Bebauungsplans gar nicht möglich wären. Diese Einordnung ist aber mit den gleichen Genehmigungsprozessen und Auflagen verbunden wie ein nichtprivilegiertes Vorhaben.

Anschließend erläuterte der Geologe Dr. Achim Schubert, Erdwerk GmbH, wie der Boden in der Region aufgebaut ist und wie das Wasserreservoir beschaffen ist. Anhand von Computersimulationen hat sein Team errechnet, dass sich erst nach 150 Jahren die Wassertemperatur um 1°C abgekühlt haben wird, was bei einer erwarteten Temperatur von etwa 150°C völlig unerheblich sowohl für die Fernwärmenutzung als auch für die Stromerzeugung ist. Anhand eines großen Glases voller Bonbons, die die im Boden gespeicherte Wärme-Energie darstellten, verdeutlichte Dr. Schubert, dass die entnommene Energie nur wenigen Bonbons entspreche. Dr. Schubert erklärte auch, dass durch das Kraftwerk keine Hohlräume im Boden entstehen werden, da das Wasser wieder zurück in den Boden gepumpt werde und sich dort wieder verteile.

Als nächstes sprach Stephanie Heinzeller mit dem Erdbebenforscher Dr. Joachim Wassermann vom Erdbebendienst Bayern und der Ludwig-Maximilians-Universität München. In dem Gespräch wurde deutlich, dass der Begriff „Erdbeben" im Zusammenhang mit Bernried in die Irre führt. Denn in dieser tektonisch außerordentlich stabilen Region, in der es seit 1.200 Jahren keine schadensverursachenden Beben gegeben hat, ist allerhöchstens mit sogenannten Mikrobeben zu rechnen. Darunter versteht man Erschütterungen wie die eines vorbeifahrenden LKWs: so schwach, dass sie meist nur von sensiblen Messgeräten aufgezeichnet, von Menschen aber nicht gespürt werden. Selbst solche schwachen seismischen Ereignisse hält Dr. Wassermann für unwahrscheinlich. Stand der Forschung sei derzeit, dass Erdbeben, die durch menschliche Eingriffe in den Boden ausgelöst wurden, immer kleiner waren als die dort zu erwartende natürliche Stärke. Laut Dr. Wassermann ist die Bodenbeschaffenheit hier in der Region außerdem in keiner Weise vergleichbar mit Landau oder Basel, wo es schwache Erdbeben und kleine Schäden gegeben hatte. Ein besserer Vergleich zur Abschätzung der Auswirkungen sei die geologisch ähnlichere Region um Bad Reichenhall: Dort gibt es regelmäßig Erschütterungen der Magnitude 2-3, ohne dass Schäden entstehen.

Abschließend sprach Frau Heinzeller mit einem Unterhachinger Bürger und mit Alois Gabauer, dem Geschäftsführer des Zweckverbandes Geowärme Erding, über deren Erfahrungen mit Geothermie. Beide zeigten sich begeistert: Die Vorteile für Bürger und auch für die Gemeinde lägen auf der Hand: Umweltfreundliche Energieversorgung, Preisstabilität und das überzeugende Kosten-Nutzen-Verhältnis sowie Versorgungssicherheit waren die wichtigsten Argumente.

Nach diesen umfangreichen Informationen beantworteten die Experten weitere Fragen der Bürger. Trotz der sehr geringen Bebenswahrscheinlichkeit war der Versicherungsschutz ein wichtiges Thema, das aber eindeutig geregelt ist: Die Rechtsprechung geht im Bergbau, bei Gasbohrungen, Geothermie oder vergleichbaren Projekten im Falle von Schadensereignissen davon aus, dass diese im Zusammenhang mit den menschlichen Eingriffen stehen, so dass die Betreiber haften und entschädigen müssen. Bürgermeister Steigenberger betonte, dass er die Sorgen der Bürger verstehe, dass die Gemeinde Bernried für diesen unwahrscheinlichen Schadensfall aber in unbegrenzter Höhe versichert sei. Auch BE Geothermal muss entsprechende Policen vorlegen. Grundsätzlich gilt: Wer Schäden verursacht, der haftet auch.

BE Geothermal und Bürgermeister Steigenberger wiesen zum Abschluss noch einmal auf die verschiedenen Kontaktmöglichkeiten hin (Geothermie-Sprechstunde im Rathaus, Geothermie-Briefkasten im Rathaus, E-Mails) und erklärten, dass sie derartige Veranstaltungen zukünftig häufiger ausrichten werden. Am 20. Juli 2010 um 20:00h findet im Andechser Hof in Tutzing eine weitere Informationsveranstaltung für die dortigen Bewohner statt.